Gemeinsam mit Arivo haben die Stadtwerke Wolfsburg drei zentrale Parkhäuser mit rund 1.200 Stellplätzen auf ein digitales Parksystem umgestellt. Der Betrieb läuft heute weitgehend automatisiert, manuelle Prozesse entfallen und der Personalaufwand konnte reduziert werden. Gleichzeitig ist das Parken für die Nutzer:innen deutlich einfacher und schneller geworden. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie Stadtwerke auch komplexe Parkstrukturen in einem gemeinsamen System abbilden können.
Die Stadt Wolfsburg, bekannt als Stammsitz von Volkswagen, hat einen wichtigen Teil ihrer Parkinfrastruktur gemeinsam mit Arivo grundlegend modernisiert. Mit den Tiefgaragen Rathaus, Phaeno und Hauptbahnhof wurden drei zentrale Standorte der Stadt mit insgesamt rund 1.200 Stellplätzen auf ein neues, digitales Parksystem umgestellt. Die Inbetriebnahme der neuen Lösung erfolgte im August 2025.
Vor der Umstellung war der Parkbetrieb stark durch manuelle Prozesse geprägt. In den Parkhäusern wurde noch mit Bargeld gearbeitet. Die Kassen mussten zweimal pro Woche geleert werden. Allein dieser Vorgang band knapp zwei Arbeitstage pro Woche. Zusätzlich fielen regelmäßig Reparaturen an, Tickets mussten wöchentlich nachgefüllt werden und Störungen waren häufig. In vielen Fällen mussten diese vor Ort behoben werden.
Auch in der Verwaltung war der Aufwand hoch: Dauerparkverträge wurden ausgedruckt, SEPA-Lastschriftmandate mussten eingeholt und Unterschriften gesammelt werden. Das bedeutete vor allem eins: viel Schriftverkehr und lange Bearbeitungszeiten.
Gleichzeitig rückte das Kassensicherungsgesetz näher. Spätestens zum 31.12.2025 hätten die bestehenden Systeme technisch erneuert werden müssen, inklusive Software und neuer Rechner. Das hätte hohe Kosten verursacht, ohne den Betrieb wirklich zu verbessern.
Vor diesem Hintergrund trafen die Stadtwerke Wolfsburg eine bewusste strategische Entscheidung. Anstatt weiter in veraltete Technik zu investieren, entschied man sich dafür, den Parkbetrieb grundlegend zu modernisieren. „Warum soll ich was in eine alte Anlage investieren, wenn ich doch mit einer modernen, fortschrittlichen Anlage arbeiten kann?“, bringt es Ralf Todtenhöfer, Leiter der Infrastruktur und Prokurist der Aufbau-Gesellschaft Wolfsburg mbH auf den Punkt. Das Ziel: Eine bargeldlose und digitale Lösung mit so wenig Verschleißteilen wie möglich, geringerem Wartungsaufwand und einer klaren Zukunftsperspektive.
Die Anforderungen an die neue Lösung waren dabei alles andere als einfach:
Freeflow-Betrieb: Drei Parkhäuser sollten im Freeflow betrieben werden, um die Kosten für die Investitionen sowie den laufenden Betrieb zu senken. Die wartungsarme Lösung erfordert zudem keine 24/7-Rufbereitschaft mehr. Darüber hinaus sollte Rückstau bei der Ein- und Ausfahrt vermieden werden, um den Parkvorgang für die Nutzer:innen so komfortabel wie möglich zu gestalten.
Um die Komplexität in einem gemeinsamen System abbilden zu können, erfolgte die Einführung in enger Zusammenarbeit. In vierwöchentlichen Abstimmungen mit der Geschäftsführung wurden Anforderungen besprochen, Lösungen weiterentwickelt und regelmäßig abgestimmt. Rückblickend sagt Ralf Todtenhöfer: „Das hat sehr gut funktioniert.“
Nach der Einführung zeigt sich der größte Effekt im täglichen Betrieb. „Das System läuft ja automatisch, man muss viel weniger manuell eingreifen“, so Ralf Todtenhöfer.
Vormals wiederkehrende Aufgaben wie Bargeldhandling, Kassenleerungen, Ticketnachfüllungen und viele Reparaturarbeiten entfallen vollständig. Die gewonnene Zeit nutzen die Parkhaustechniker:innen für andere Aufgaben wie Wartung, Reinigung oder die Begleitung externer Arbeiten. Eine Stelle, die durch den Renteneintritt eines Mitarbeiters frei wurde, musste nicht neu besetzt werden. Das senkt die laufenden Kosten zusätzlich.
Auch organisatorisch hat sich viel verändert. Die Arbeitszeiten konnten angepasst werden. Nachtarbeit nach 22:00 Uhr entfällt, Sonntagsarbeit ist nur noch in Ausnahmefällen nötig. Gleichzeitig funktioniert der Betrieb auch dann stabil, wenn nicht ständig Personal vor Ort ist. Eine große Entlastung für die Mitarbeiter:innen und den Arbeitgeber.
Auch in der Verwaltung ist die Digitalisierung der Prozesse deutlich spürbar. Parkende, die heute einen Dauerparkvertrag abschließen möchten, erhalten einen Zugangslink und geben alle erforderlichen Daten selbst ein. SEPA-Mandate und Zustimmungen laufen digital und sind in wenigen Sekunden abgewickelt. Der Schriftverkehr hat sich spürbar reduziert.
Auch für die Nutzer:innen hat sich der Parkalltag deutlich verbessert. Das Einfahren ist einfacher und ohne Wartezeit bei der Ein- und Ausfahrt möglich. Es muss nicht mehr dicht an die Ticketsäule gefahren werden, um ein Ticket zu ziehen. Dadurch entfällt auch das Risiko, beim Einfahren den Rammschutz zu beschädigen.
Besonders deutlich wird diese Verbesserung im Vergleich zur früheren Situation. Damals kam es bei Störungen teilweise zu Schlangen mit mehreren Fahrzeugen und großem Unmut. „Da standen früher schon mal fünf, sechs Autos – das entfällt jetzt alles“, so Ralf Todtenhöfer. Entsprechend hoch ist die Akzeptanz des Systems bei Mitarbeitenden und Kund:innen.
Der Parkbetrieb ist heute zudem Teil des digitalen Stadtangebots. In der Wolfsburg App werden freie Stellplätze in den Parkhäusern in Echtzeit angezeigt. Die Bezahlung ist bereits über EasyPark und Parkster möglich. Eine direkte Bezahlung über die Wolfsburg App befindet sich aktuell in Arbeit.
Das Projekt in Wolfsburg zeigt: Die Umstellung auf ein digitales Parksystem geht weit über eine technische Modernisierung hinaus. Sie bedeutet auch, Abläufe neu zu denken und Prozesse radikal zu vereinfachen – durch Automatisierung und digitale Services. Das Ergebnis: Deutlich geringere laufende Kosten, schlanke Prozesse und eine hohe Zufriedenheit bei Mitarbeitenden wie Parkenden. Damit wird deutlich, dass auch komplexe Anforderungen im kommunalen Parkraummanagement mit einem erfahrenen Partner zuverlässig umsetzbar sind.
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Ralf Todtenhöfer
Leiter Infrastruktur und Prokurist der
Aufbau-Gesellschaft Wolfsburg mbH
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